Prinzip N.2: Biodiversität im Weinberg – Vielfalt statt Monokultur
- Gudrun und Mathias Mayer

- 24. Mai
- 3 Min. Lesezeit
warum in unserem Weinberg mehr lebt als nur die Rebe
Von oben betrachtet wirkt ein Weinberg oft perfekt geordnet.Reihe neben Reihe. Pfosten. Drähte. Alles sauber strukturiert.
Doch genau darin liegt eine Herausforderung, über die kaum jemand spricht.
Ein Weinberg ist im Grunde eine Monokultur. Eine einzige Pflanzenart auf großer Fläche. Oft sogar derselbe Klon, dieselbe Unterlage, dieselbe Rebsorte. Alles ähnelt sich. Und genau dadurch wird das System anfällig.
Krankheiten können sich leichter ausbreiten. Schädlinge wandern beinahe ungehindert von Pflanze zu Pflanze. Der Natur fehlen natürliche Gegenspieler und Bremsen.
Als wir begonnen haben, unsere Weinberge aufzubauen, stellten wir uns deshalb eine einfache Frage:
Wenn die Rebe unsere Hauptkultur ist — wie schaffen wir rundherum wieder mehr Leben?
Die Antwort darauf war keine Maschine. Kein neues Pflanzenschutzmittel. Keine moderne Wundertechnik.
Die Antwort war Vielfalt.
Mehr Leben zwischen den Rebzeilen
Heute wachsen zwischen unseren Rebzeilen nicht nur Gräser.Dort blühen Kräuter, Wildpflanzen und Blumen.
Thymian. Schafgarbe. Lavendel. Ackerschachtelhalm.
Dazu kommen Hecken, Sträucher, Bäume, Totholzbereiche, Steinhaufen und Lebensräume für Insekten, Reptilien und Vögel.
Und irgendwann entstand eine Idee, über die anfangs manche geschmunzelt hätten:
Ein Tümpel mitten im Weinberg.
Was ungewöhnlich klingt, wurde zu einem der spannendsten Teile unseres kleinen Ökosystems. Denn ein Tümpel zieht Leben an. Libellen. Frösche. Wasserinsekten. Viele davon sind natürliche Gegenspieler von Schädlingen.
Doch ein Moment hat uns besonders berührt.
Als im Frühjahr die ersten Schwalben aus dem Süden zurückkehrten, dauerte es nicht lange, bis wir beobachteten, wie sie den feuchten Lehmboden am Rand des Tümpels nutzten. Immer wieder flogen sie hinunter, sammelten kleine Portionen Lehm und verschwanden wieder um daraus ihre Nester zu bauen.
In diesem Moment wurde uns bewusst, dass der Tümpel längst mehr geworden war als nur ein kleines Wasserbecken. Er war Teil eines funktionierenden Lebensraumes geworden.
Heute beobachten wir oft, wie sich Dinge im Weinberg selbst regulieren. Nicht perfekt. Nicht immer vollständig. Aber spürbar.
Unser Weinberg fühlt sich lebendig an.
Und er klingt auch so.
Er summt. Zirpt. Raschelt.
Manchmal stehen wir einfach nur da und hören zu.
Was Biodiversität mit Weinqualität zu tun hat
Für uns endet Vielfalt nicht bei schönen Blumen zwischen den Reihen.
Ein lebendiger Weinberg verändert auch den Boden. Und der Boden verändert den Wein.
Je vielfältiger ein Ökosystem wird, desto aktiver wird das Bodenleben. Mikroorganismen, Pilze, Regenwürmer und Wurzeln beginnen miteinander zu arbeiten. Der Boden wird lockerer, speichert Wasser besser und ermöglicht den Reben, tiefer zu wurzeln.
Und genau dort beginnt Charakter.
Denn Reben, die tief wurzeln, holen mehr aus dem Boden heraus als nur Wasser. Sie nehmen Mineralien, Spannungen und Eigenheiten des Standortes auf.
Das kann man nicht künstlich erzeugen.
Unser Verdicchio „Vino d’Oro N.1 2023“ beispielsweise, wächst auf dem Weinberg „Papa Giovanni XXIII.“ auf etwa 330 Metern Höhe. Dauerbegrünt. Seit Jahren ohne chemische Herbizide. Umgeben von Vielfalt.
Im Glas zeigt er genau das, was wir im Weinberg suchen: Klarheit, Frische, Spannung und eine Mineralität, die nicht gemacht wirkt — sondern gewachsen ist.
Für uns ist das kein Marketingversprechen.
Es ist Prinzip N.2.
Was Prinzip N.2 für uns bedeutet
Vielfalt ist für uns keine romantische Idee.
Sie ist eine Entscheidung.
Eine Entscheidung für mehr Leben. Für mehr Gleichgewicht. Für mehr Geduld.
Und vielleicht auch für einen Wein, der nicht einfach nur schmeckt — sondern Herkunft erzählt.
Genau darum geht es uns bei La Villa Mergo.
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