Komposttee & Kräutertees: Nahrung für den Boden
- 12. Juli
- 2 Min. Lesezeit

Manchmal, wenn Mathias am frühen Morgen zur Komposttee-Anlage geht, riecht es schon von Weitem: erdig, ein bisschen nach Wald, ein bisschen nach Kräutergarten.
Kein Geruch, den man in einem Weinberg erwarten würde. Aber genau da beginnt bei uns die Arbeit, die man später im Glas nicht sieht – und die uns trotzdem am wichtigsten ist.
Warum wir nicht chemisch düngen
Wir düngen unsere Böden nicht chemisch. Das war nie eine Frage von Idealismus, sondern von Logik: Chemischer Dünger wirkt schnell, er bringt Ertrag – aber er füttert nur die Pflanze, nicht das System dahinter. Uns geht es um das Ganze.
„Wenn der Boden lebt, dann braucht er Nahrung.“
Nicht einen schnellen Impuls. Kraft für das Leben darin.
Der Komposttee – ein Sud, der Zeit braucht
Unser Komposttee beginnt nicht im Fass, sondern am Tag davor. Wir setzen einen Sud an: Salz, Meeresalgen und klein gehackte Kräuter – Rosmarin, Lavendel, Thymian, Salbei und einige mehr, je nachdem, was gerade im Garten steht. Dieser Sud zieht 24 Stunden.
Erst danach kommt er zum eigentlichen Komposttee dazu – zu reifem Kompost, Walderde, Salz und Melasse als Zuckerquelle. Alles zusammen wird knapp 36 Stunden bei rund 27 Grad kräftig mit Luft durchpustet. Die Wärme, der Zucker und der Sauerstoff sorgen dafür, dass sich die Mikroorganismen in dieser Zeit explosionsartig vermehren.
Riecht man nach ein, zwei Tagen hinein, riecht es lebendig – erdig, weich, komplex. Kein Zufall, sondern das Ergebnis von genau der Pflege, die wir hineingesteckt haben.
Kräutertees – die zweite Küche nebenan
Parallel dazu kochen wir in unserer kleinen „Hexenküche“ Kräutertees: Brennnessel, Ackerschachtelhalm, Holunder und andere Kräuter, je nach Jahreszeit. Sie köcheln etwa zwei Stunden und ziehen danach weitere 24 Stunden.
Am Ende wird alles – Komposttee und Kräutertee – mit wenig Druck fein auf Blätter und Boden gesprüht, damit die Mikroorganismen den Weg dorthin unbeschadet überstehen.
Warum wir uns diese Mühe machen
Man könnte fragen: Ist das nicht unnötig aufwendig für ein bisschen Flüssigkeit? Für uns ist die Antwort einfach: Das Bodenleben entscheidet darüber, wie gut sich unsere Reben ernähren können.
Mikroorganismen sind für uns keine abstrakte Idee, sondern Kooperationspartner – sie lösen Nährstoffe im Boden auf, die Reben geben im Gegenzug Zucker über die Wurzeln ab. Eine Symbiose, die seit Jahrmillionen funktioniert, lange bevor es Kunstdünger gab.
Wenn man selbst krank ist, trinkt man Kräutertee, gönnt sich Ruhe und lässt den Körper arbeiten – man versucht, ihn zu stärken, statt nur ein einzelnes Symptom zu behandeln. Genau dieser Gedanke steckt hinter dem, was wir im Weinberg tun.
„Es geht nicht um Nostalgie. Es geht um Resilienz.“
Gesunde Böden. Gesunde Pflanzen. Weniger Anfälligkeit.
Vom Kessel bis ins Glas
Was am Ende auf Blättern und Boden landet, ist unscheinbar – eine trübe, erdig riechende Flüssigkeit, die niemand im Wein schmecken wird.
Und doch steckt darin genau das, was uns wichtig ist: „Vom Boden ins Glas“ heißt für uns eben auch, dass wir im Kessel anfangen, lange bevor die erste Traube reif ist. Lebendige Böden sind für uns kein Nebenschauplatz, sondern die eigentliche Arbeit – Vielfalt statt Monokultur beginnt für uns nicht bei den Pflanzen, sondern bei den Mikroorganismen im Boden.



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